Ledi-Wracks
1x1
1x1
Ledischiffe
 
Der folgende Text wurde mir freundlicherweise durch Guido Städler, Autor des Buches 'Walensee-Schifffahrt / Linth-Schifffahrt' (ISBN: 9783907926116), zugestellt. Von ihm habe ich die Erlaubnis erhalten, seinen Text hier wiederzugeben. Eine Vervielfältigung des unten aufgeführten Buchauszuges ist nur mit Genehmigung des Autors und unter Aufführung eines Quellennachweises erlaubt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, welche mir bei meiner Suche nach Hintergrundinformationen zu den beiden Lediwracks behilflich waren.
 
"Ein alter Ledischiffer erzählt
Hans Walser, Unterterzen, Kapitän von 1920 bis 1924 auf dem Dampfschiff Linth Escher II, betrieb mit Unterbrüchen in den nachfolgenden Jahren vier Ledischiffe. Der 1993 verstorbene Hans Walser sowie seine Söhne Hans und Roland erzählten Einzelheiten über die Ledischiffahrt in den vierziger und fünfziger Jahren.

Es handelte sich durchwegs um zugekaufte Occasionen, um Holzschiffe. Die früheren Besitzer schafften nach dem Verkauf meist Metallschiffe an. Ein erstes Schiff wurde von Ferdi Scherrer, Quinten, übernommen. Da zweite kam vom Steinbruch Mühlehorn-Quinten. Dieser Steinbruch brach im September 1946 ab und stürzte in den Walensee. Das Unternehmen geriet während einiger Zeit in Schwierigkeiten und verkaufte das Schiff.

Zwei weitere Ledischiffe fuhren vorher auf dem Zürichsee. Mit Traktoren wurden sie durch den Linthkanal herauf geschleppt. Bei der Stromschnelle in Ziegelbrücke musste zusätzlich ein Lastwagen vorgespannt werden.

Stationiert waren die Ledischiffe von Hans Walser jeweils im Hafen von Unterterzen. Namen trugen diese Schiffe noch keine. Sie dienten vor allem dem Schotter- und Kiestransport. Vom Steinbruch Quinten wurde Material zur Aufschüttung für das zweite Bahngeleise zwischen Murg und Unterterzen herangefahren.

Hans Walser besass vor der Eröffnung der Autostrasse 1964 unten am Kerenzerberg bei der Einmündung der Glarnerlinth einen Schwimmbagger. Von dort wurde Kies zu den Verladestellen im Hafen von Weesen und beim Bommerstein gefahren. Aus- und auf Lastwagen umgeladen wurde noch von Hand mit Schaufeln und Karretten. Eine Schiffsladung entsprach 40 m^3. Erst später ersetzte man die Karretten durch einfache Förderbänder und primitive Greifbagger.
 
Holzschiffe brauchten mehr Unterhalt
Probleme boten die Holzschiffe vor allem im Unterhalt. Da sie nicht täglich gebraucht wurden und der Walensee vor dem Bau der Stauseen in einigen Zuflüssen noch starken Wasserspiegel-Schwankungen unterworfen war, konnten die Schiffe nicht immer verlächern, so dass durch Ritzen oft Wasser eindrang. Vom Kapitän musste - im Gegensatz zu den Angestellten - diesem Problem grosse Beachtung geschenkt werden.
 
Von Tauchern entdeckt
Zwei Ledischiffe von Hans Walser sanken. Das von Ferdi Scherrer gekaufte ging wegen Altersschwäche zu Beginn der fünfziger Jahre unter, nachdem es bereits ausgemustert war. Ein Zürichsee-Schiff schlug während eines Sturmes 1955 oder 1956 Leck und sank ebenfalls vor dem Bommerstein. Beide Schiffe wurden nicht gehoben. Freizeit-Taucher entdeckten die Wracks. Einzelne von ihnen montierten Teile als Souvenirs ab. Die zwei Schiffe vor dem Bommerstein bilden immer wieder Ziele von Tauchern, die ihre Ausgangsbasis beim sogenannten Känzeli zwischen der Häl und dem Bommerstein haben."
 
Weitere Informationen
Über eine weitere Informationsquelle wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei dem Metaldom östlich des ersten Lediwracks um den Dampfkessel des Schiffes handeln könnte. Es soll mehrmals durch Taucher versucht worden sein, diesen zu heben. Die vergeblichen Versuche führten dem Wrack weitere Schäden zu. Durch einen Taucher, welcher den Aktivitäten und der Zerstörung des Wracks nicht mehr länger zusehen konnte, wurden die Bullaugen des Kessel eingeschlagen, so dass sich dieser komplett mit Wasser füllte und nicht mehr einfach mit Hebesäcken geborgen werden konnte. Andere glauben, dass es sich um eine Tauchglocke handeln könnte, welche wegen Beinaheunfällen aus Sicherheitsgründen versenkt wurde.
 
Zwischenzeitlich hat sich die Vermutung erhärtet, dass es sich um eine Art Tauchglocke handelt. Ein Mitglied aus dem Swissdivers-Forum konnte weiter Informationen in Erfahrung bringen, welche ich hier wiedergeben möchte.

Bei dem konusförmigen Behälter links neben dem ersten Lediwrack handelt es sich um kein Teil welches zum Wrack gehört! Dieser Behälter stammt aus der Unaxis und wurde in der mitte auseinander geschnitten. Das heisst im Schlick steckt die Schnittstelle des Behälters.

Dieser Behälter wurde vor ca. 10 Jahren tatsächlich als Tauchglocke (analog der Badewanne beim Broder verwendet. Anzutreffen war er auf dem Weg zum Lediwrack auf einer Tiefe von ca. 16/17 Metern. Befestigt an Stahlseilen wurde er dann ca. 14 Tage dort betaucht bis einer, die Stahlseile gekappt hat und somit die Taucherglocke auf Grund legte. Einige Zeit später wurde die Tauchglocke dann an den Ursprünglichen Ort an dem sie jetzt liegt gebracht.
 
In eigener Sache
An dieser Stelle möchte ich gleich die Gelegenheit wahrnehmen und ein altbekanntes Thema bezüglich Wracks und den Umgang mit denen ansprechen. Es kommt immer wieder vor, dass die Wracks von Souvenierjäger besucht werden, welche die Wracks -nicht nur die im Walensee- Stück für Stück auseinander nehmen. Damit mögen sie sich vielleicht ein Erinnerungsstück ergattern, beachten aber in ihrem Egoismus nicht, dass auch andere Taucher die Wracks gerne besuchen möchten. Auch diese haben ein Anrecht darauf, die Wracks im Originalzustand anzutreffen.
 
Darum gilt mein Apell an Euch Taucher. Lasst die Wracks so, wie Ihr sie vorgefunden habt. Schraubt nichts ab, schnitzt nichts rein, behandelt die Wracks, wie Ihr auch ein Riff behandeln würdet. Respektiert ein Wrack als Bestandteil des Sees. Ein Wrack wird sehr schnell zu einem neue Habitat für die Natur und wird dadurch zu einem Teil davon. Wenn ein Wrack oder Bestandteile eines solchen, aus welchen Gründen auch immer, wirklich geborgen werden muss, dann ist das Sache der Behörden und nicht Eure. Respektiert das bitte.